Den Holocaust erzählen : Historiographie zwischen by Norbert Frei, Wulf Kansteiner

By Norbert Frei, Wulf Kansteiner

Ein interdisziplinärer conversation über die Grenze zwischen literarischem und historischem Erzählen.

Geschichtsschreibung ist Erzählung, und Erzählungen sind sprachliche Kunstprodukte. Deshalb erfindet, wer Geschichte schreibt. Mit diesem verblüffend einfachen Argument fordert Hayden White die Geschichtswissenschaft seit rund vier Jahrzehnten heraus. Sein Klassiker »Metahistory« hat viel Furore gemacht, wurde aber nur selten mit Blick auf die historiographische Praxis diskutiert. Die Autoren setzen diese vor über zwei Jahrzehnten in l. a. begonnene Diskussion über die Grenzen der Geschichtsschreibung castle: Anhand der Werke von Saul Friedländer und Christopher Browning, die sich beide dem interdisziplinären conversation stellten.

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234. _ 64 Im 20. Kapitel mit dem Titel »Childbirth, Abortion, Sex, and Rape« wird diese erzählerische Folgenlosigkeit deutlich. Der Erzähler betont, dass nur wenige Überlebende zu diesen Themen Stellung bezogen haben und dass er sich auch nicht in der Lage sah, Überlebende zu diesen Themen direkt zu befragen: »This chapter, therefore, is in many ways a chapter that cannot be adequately written.  185). Aber in den nachfolgenden Sätzen und Seiten werden die vorhandenen Quellen in eindeutige und aussagekräftige Darstellungen überführt.

In der Fachliteratur ist die Erzählfigur des unzuverlässigen Erzählers, die zumeist als IchErzähler auftritt und sich sehr viel kapriziöser aufführt als der Erzähler in The Years of Extermination, eine Erfindung der literarischen Moderne. Dabei lässt sich die erzählerische Kreativität von The Years of Extermination auch daraus ersehen, dass die Existenz eines unzuverlässigen unpersönlichen Erzählers (im Gegensatz zur Existenz eines unzuverlässigen Ich-Erzählers) in der narratologischen Forschung umstritten ist, siehe Fludernik (2006), S.

Eliot in seiner oft zitierten Besprechung von Ulysses aus dem Jahre 1923 von dem Versuch, »of giving a shape and a significance to the immense panorama of futility and anarchy which is contemporary history«45. Die komplexen semantischen Strukturen von The Years of Extermination lassen sich wegen dieser Affinitäten gut mit Whites Instrumentarium beschreiben. Der primäre Bezugsrahmen des Buchs sind die Ereignisse der dreißiger und vierziger Jahre, dargestellt in einem transnationalen Kontext unter Betonung ideologischer Handlungsmotive und unter besonderer Berücksichtigung der Reaktion der jüdischen Opfer auf die Verfolgung.

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